Vienhues Biomarkt - Newsletter Januar / Februar 2019

Aus eigenem Anbau

Die letzten Bestände an eigenem Kürbis und Sellerie neigen sich dem Ende zu, dafür gibt es jetzt zur Genüge Feldsalat und bei Gelegenheit auch Postelein.
Ab Ende Januar erfolgen dann in den Folienhäusern die ersten Pflanzungen von Spinat und Rauke sowie von Baby-Leaf und Asiasalat.
Feldsalat wird sowieso kontinuierlich bis Ende Februar von den GärtnereikollegInnen gepflanzt, sodass wohl ausreichende Mengen bis Mitte April erntbar sind.
Für 2019 wollen wir unser Hauptaugenmerk auf den Anbau von Tomaten, Gurken und verschiedenen Salaten legen, aber auch die Herbstkulturen wie Rote Beete und Knollensellerie möchten wir verstärkt anbauen.

Jungpflanzen

Auch schon früh in 2019 wird es wieder Jungpflanzen (Salate, Tomaten, Gurken, etc.) vom Naturlandbetrieb Wunderlich am Willicher Hofladen geben. Wie gewohnt werden im Verlauf des Frühjahrs eine Vielzahl von Topfkräutern der hiesigen Biolandkollegen Thees und Hecker ihren Weg ins Angebot finden.

Pia on Tour

Unsere Kollegin Pia war im Dezember noch als „Weihnachtspia“ unterwegs, im Januar und Februar wird sie wieder mit ihrem Stand in den Läden zu finden sein.
Die Termine und Themen:
18.01. Willich, 25.01. Viersen und 01.02. Kempen – Winterliche Kohlvarianten
15.02. Viersen und 22.02. Willich – Regionales Wurzelgemüse

Welche Agrarpolitik will ich?

Ein Kommentar von Conny Türk.
Ich bin in Willich aufgewachsen. In den 70er Jahren noch stark landwirtschaftlich geprägt, bestimmten viele kleine und einige größere Landwirtschaftsbetriebe den Charakter des Ortes. Wir kauften Milch beim „Bauern um die Ecke“, der Landwirt mochte uns Kinder, zeigte uns die neugeborenen Ferkel und wir hatten unsere Freude daran, ihm dabei zu „helfen“, wenn er seine (vielleicht zehn) Kühe in den Stall zurücktrieb. Die Schweine durften übrigens ausgiebig im Schlamm suhlen, sie hatten eine recht große Auslauffläche, viel größer als die Flächen, die heute so manchem Bioschwein zur Verfügung stehen. Dennoch war natürlich nicht alles rosig - Gift wurde schon damals auf die Felder gesprüht - wenn auch erst bei konkret drohendem Befall. Heute hingegen wird Saatgut häufig schon bei der Herstellung mit Giften „gebeizt“.

Die Strukturen der Landwirtschaft, wie ich sie in meiner Kindheit erlebt habe, waren vielfältiger, es gab mehr Hecken, die bewirtschafteten Flächen waren kleiner. Und: es gab noch keine riesiegen Gewerbegebiete, die A44 und viele der „Ortsumfahrungen“ existierten noch nicht.
Auf den Feldern konnte ich Hasen beobachten, Rebhühner waren keine Seltenheit, Fasane allgegenwärtig, im Frühjahr brüteten Feldlerchen und Kiebitze auf den Äckern und blühenden Ackerrainen. In den Gärten und Grünanlagen gab es viele verschiedene Vogelarten. Es gab reichlich Insekten – ich erinnere mich noch gut an das kribbelnde Gefühl, wenn ich mal wieder einen der zahllosen Grashüpfer, die auf den Ackerrändern lebten, vorsichtig in die Hand nahm um ihn dann schnell wieder in die Freiheit zu entlassen, ein kräftiger Sprung, schon war er fort.

Heute sind mehr als zwei Drittel der fliegenden Insekten verschwunden, ist fast jede dritte Wildpflanze in Deutschland vom Aussterben bedroht, sind knapp drei von vier Vogelarten der offenen Landschaft gefährdet oder bereits ausgestorben, 40 % der Tagfalter sind bedroht …

Jeden Tag wird in Deutschland eine Fläche von 90 Fußballfeldern durch Siedlungs- oder Straßenbau versiegelt …

Und was passiert dagegen? Statt einer Kehrtwende bei der flächenfressenden Bebauung, werden weitere Gewerbegebiete ausgewiesen, die Kommunen brauchen Gewerbesteuern und weitere Flächen um expansionswillige Firmen am Ort zu halten.

Und eine über Jahrzehnte fehlgeleitete EU-Agrarpolitik hat dazu geführt, dass Deutschlands Bauern zu den größten Mitverursachern des Artensterbens wurden.
„Die EU fördert ein System, das allein auf Effizienz setzt. Durchschnittlich 40 Prozent des Einkommens bekommt jeder der rund 275.000 Bauernhöfe in Deutschland quasi geschenkt. Rund 300 Euro zahlt Brüssel pro Hektar bewirtschaftetes Land.
Über 90 Prozent der Landwirte entscheiden sich für das Baukastenprinzip der chemischen Industrie. Mit genug Dünger und Pestiziden nämlich lässt sich fast jeder Acker in eine produktive Monokultur verwandeln. Die Ernte ist garantiert, das Einkommen auch. Das ist bequem und sicher - nur für die Natur ist es verheerend.“1
Mit fast 60 Milliarden Euro jährlich subventioniert die EU die industrielle Landwirtschaft. Das sind pro Bürger 114 Euro. Wir alle finanzieren mit unseren Steuern dieses desaströse System der immer intensiveren und zerstörerischen Landwirtschaft. Pestizide, Überdüngung, Monokulturen und Bodenverdichtung hinterlassen Agrarwüsten.

Demnächst werden die EU-AgrarministerInnen neu über die Verteilung von 50 Milliarden Euro pro Jahr entscheiden. Es wäre längst überfällig genau die Betriebe zu belohnen, die sich um Naturschutz bemühen. Statt dessen planen die Agrarminister der EU, in Zukunft die Fördermittel für umweltfreundliche Landwirtschaft zusammenkürzen, Agrarriesen sollen aber weiterhin Milliarden erhalten.

Wenn ich heute über (zumeist befestigte) Feldwege gehe und auf die verbliebenen Ackerflächen blicke, sehe ich keinen Hasen, kein Rebhuhn, selten einen Fasan. Keine Lerchen oder Kiebitze. Der stumme Frühling, den Rachel Carson vor über 50 Jahren dystopisch beschrieb, scheint Wirklichkeit zu werden. Noch könnten wir einlenken.

Ich hoffe sehr, dass ich irgendwann mit meinen Enkelkindern über Felder und Wiesen streifen kann in denen es, so wie in meiner Kindheit, summt und schwirrt. Ich möchte ihnen Landschaften zeigen voller Reichtum, voller Leben, voller Wunder …

1 Spiegel online, Ausgabe 36/2017 http://www.spiegel.de/spiegel/artensterben-in-deutschland-als-gaebe-es-kein-morgen-a-1168740.html
NABU Newsletter vom 17. 12. 2018 https://mitmachen.nabu.de/meine114euro?utm_campaign=KW51_livingland&utm_medium=E-Mail&utm_source=Newsletter

Der NABU fordert alle BürgerInnen dazu auf, sich für eine neue Agrarpolitik in der EU einzusetzen und die EU-Abgeordneten via Mail anzuschreiben. Mitmachen ist ganz einfach. https://mitmachen.nabu.de/meine114euro

Schon beeindruckend:

450 mal mehr Pestizidrückstände enthält konventionelles Obst,
verglichen mit Bio-Obst. 

Quelle: Öko-Monitoring 2018 der Chemischen- und Veterinäruntersuchungsämter Baden-Württembergs

Veranstaltungshinweise

Samstag
19. 01.
WIR-HABEN-ES-SATT-DEMO in Berlin.
Das diesjährige Motto lautet: „Fahrt aufnehmen für eine gerechte Agrarpolitik“. Näheres siehe: www.wir-haben-es-satt.de


Montag
04. 02.
NABU Naturschutzhof Nettetal, Vortrag zum Thema Steinkauz, 19:00 - 20:00 Uhr
NRW beherbergt momentan rund 60 Prozent des gesamten deutschen Brutbestandes, leider mit rückläufiger Tendenz. Es werden mögliche Schutzmaßnahmen vorgestellt. Vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. Kostenfrei, Spende erwünscht. NABU Naturschutzhof, Sassenfeld 200, 41334 Nettetal

Mi. 06.02.
bis
So. 10. 02.
Rundgang 2019, Kunstakademie Düsseldorf
www.kunstakademie-duesseldorf.de



Freitag
08. 02.
Café Papperlapapp in Tönisvorst, 19:00 Uhr
Konzert mit dem Duo „Fine Tune“, Keltische Musik und Balladen. Einlass 18:00 Uhr.




Zum Vormerken:

09.03. – Saatgutfestival in Düsseldorf